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Mittwoch, 18.10.2017

Geschichte

1897: Gründung der RSG, Mannheim

Rheinische Schuckert-Gesellschaft für elektrische Industrie Aktiengesellschaft

Die „Rheinische Schuckert-Gesellschaft für elektrische Industrie Aktiengesellschaft“ (RSG), Mannheim, 1897 von der Firma Schuckert als Regionalvertretung gegründet, war sehr engagiert im Bau und Betrieb kleinerer und mittlerer Kraftwerke und zunehmend auch von Überlandzentralen. Unter der Führung ihres Direktors Oskar Bühring entfaltete die RSG eine sehr rege Aktivität im südwestdeutschen Raum. Vor dem Ersten Weltkrieg wurde sie dort der führende Organisator von Überlandzentralen. Die RSG wurde im Jahr 1917 in „Rheinische Elektrizitäts-Aktiengesellschaft“, abgekürzt „Rheinelektra“, und 1966 schließlich in „Rheinelektra Aktiengesellschaft“ umbenannt. Später wurde die Rheinelektra eine wichtige Zwischenholding im RWE-Konzern. 1997 mit der in gleicher Funktion tätigen Lahmeyer AG, Frankfurt/M. verschmolzen..

1910: Erste Aktivitäten im Kreis Groß-Gerau

Personal des Baubüros Stockstadt im Jahr 1910/11

Die Rheinische Schuckert-Gesellschaft (RSG) hatte das Kraftwerk Rheinhessen in Worms auf- und ausgebaut und ihr war vom Kreisrat (heute Landrat) des Kreises Groß-Gerau, Dr. Wallau, angeboten worden, auch im Kreis Groß-Gerau aktiv zu werden. Daraufhin errichtete die RSG ein Bau büro in Stockstadt, im Gebäu de neben dem Pfarrhaus, Vorderstraße 23. Zu den ersten Gemeinden, mit denen die RSG einen Strom liefer vertrag abschloss, gehörten: Goddelau, Stockstadt, Biebesheim, Erfelden, Crumstadt, Wolfskehlen und Leeheim. Das Ministerium hatte mit der Rheinischen Schuckert-Gesellschaft einen Betreiber gefunden, der die Überlandversorgung voran brachte. Dr. Eduard Wallau hatte im November 1905 als Kreisrat (heute Landrat) die Verwaltung des Kreises Groß-Gerau übernommen. Er setzte sich für die Elektrizitätsversorgung im „Überlandgebiet“ statt Gasversorgung ein.

1910: Gründung der Überlandzentrale Mainz

Durch die Ausdehnung ihrer Interessen kam die RSG mit der Stadt Mainz in Berührung. Diese suchte ihrerseits Expansionsmöglichkeiten rechts des Rheins. Die Stadt Mainz mit ihrem 1899 erbauten Kraftwerk auf der Ingelheimer Aue war der ideale Kooperationspartner. Zur Versorgung der Gemeinden im Riedgebiet mit Strom, gründeten die RSG und die Stadt Mainz am 12./13. Dezember 1910 die Überlandzentrale Mainz, Nördliches Ried, das heutige Überlandwerk. Nach der beschlossenen Kooperation lieferte im Mai 1912 das Mainzer Kraftwerk erstmals Strom ins Riedgebiet.

Diese „Interessengemeinschaft“ war zunächst keine Gesellschaft mit eigenem Betriebsvermögen. Mainz finanzierte die Hochspannungsleitungen und Trafostationen, die Ortsnetze und Hausanschlüsse wurden von der RSG erstellt. Im Jahr 1917 wurde schließlich ein neuer Gesellschaftsvertrag geschlossen, der die Partner in ein festeres, firmenähnliches Verhältnis brachte.

1910: Gründung des Überlandwerks

Gründung des Überlandwerks am 12./13. Dezember (12. Dezember Bürgermeister Kühn für Mainz / 13. Dezember Direktor Oskar Bühring für die RSG) als Überlandzentrale Mainz, Nördliches Ried. Der Gesellschaftsvertrag zwischen der RSG und der Stadt Mainz sah eine hälftige Beteiligung beider Unternehmen vor. Die Stadt Mainz lieferte den Strom (aus ihrem 1899 erbauten Kraftwerk auf der Ingelheimer Aue) und hatte für die Hochspannungsanlagen aufzukommen. Der RSG oblagen die Geschäftsführung, der Bau der Hochspannungsleitungen und Schaltanlagen sowie die Errichtung der Ortsnetze.

1911: Erstmals elektrisches Licht in Goddelau und Wolfskehlen

Am Weihnachtsabend im Jahr 1911 gab es in Goddelau und Wolfskehlen erstmals elektrisches Licht. Dieses Ereignis wurde mit einem Lichtfest gefeiert. Stockstadt ging am Sylvesterabend 1911 ans Netz. Die Nutzung der Elektrizität hatte bedeutende Auswirkungen auf das alltägliche Leben der Menschen. Licht war jetzt jederzeit verfügbar. In den Städten wurde die Nacht zum Tag. Und man verdarb sich nicht mehr die Augen beim Lesen im Schein des trüben Gaslampenlichts.

1912: Kauf des Elektrizitätswerks in Rüsselsheim

Die Rheinische Schuckert-Gesellschaft (RSG) erwarb 1912 das private Elektrizitätswerk des Herrn Wilhelm Schlott in Rüsselsheim für 26.751,01 Mark. Im Kaufpreis eingeschlossen waren sämtliche maschinellen Einrichtungen sowie das Stromnetz in Rüsselsheim einschließlich der Hausanschlüsse und Zähler. Wilhelm Schlott trat in die Dienste der Gesellschaft und wurde bis zu seinem plötzlichen Unfalltod 1914 erster Direktor des Überlandwerks.

Im Jahr 1912 wurden zwei Millionen Kilowattstunden Strom an einige Tausend Abnehmern abgegeben, im Jahr 1960 waren es 100 Millionen Kilowattstunden mit rund 32.500 Tarif- und 100 Sonderabnehmern.

1914: „Elektrisches Licht – billiger als Petroleum“

Im Jahr 1914 wurden im Kreisgebiet 19 Gemeinden (von insgesamt 30) vom Überlandwerk mit Strom versorgt.

Das Städtische Elektrizitätswerk zu Mainz warb damals folgendermaßen für seinen Strom: „Beleuchte elektrisch – Koche elektrisch – Bügele elektrisch – Heize elektrisch. Unerreichte Bequemlichkeit, Feuersicherheit, Sauberkeit, Gefahrlosigkeit und ständige Betriebsbereitschaft.“ Die Stadt Mainz hatte wenige Jahre zuvor ihr Drehstromkraftwerk auf der Ingelheimer Aue in Betrieb genommen – eines der ersten in Deutschland errichteten Werke dieser Art, mit der für damalige Verhältnisse sagenhaften Leistung von 4.600 Kilowatt. Die Geschichte des Überlandwerks ist die Geschichte einer erfolgreichen Kooperation, die vor 100 Jahren in Mannheim und Mainz begann. Seit 2006 ist das Überlandwerk ein 100-prozentiges kommunales Unternehmen der „Meenzer“.

Übrigens – wussten Sie, dass das Hochspannungsnetz des Überlandwerks im Jahr 1912 eine Länge von 67 km hatte, im Jahr 1960 von 208 km und heute ca. 1.900 km?

1916: Das Überlandwerk und Opel

Ab dem Jahr 1916 lieferte das Überlandwerk neben Strom auch Gas. Aus diesem Grund wurde eine Gasleitung von Mainz-Kostheim nach Rüsselsheim verlegt. Aus dieser Leitung wurden die im Ersten Weltkrieg kriegswichtigen Opelwerke versorgt, ab 1926 auch die Stadt Rüsselsheim. Die Rüsselsheimer Firma Opel – bis heute ein bedeutendes Unternehmen der Region –, die seit 1899 Autos produziert, war von Anfang an eine der großen Strom-Sonderabnehmer des Überlandwerks. Durch die revolutionäre Fließbandproduktion konnte Opel z. B. in den 1920er Jahren den günstigen, legendären „Laubfrosch“ als Massenfahrzeug produzieren. Energie in Form von Strom war hier eine wesentliche Voraussetzung.



1917: Von der Interessengemeinschaft zum neuen Gesellschaftsvertrag

„Neu“-Vertrag zwischen der Rheinischen Schuckert-Gesellschaft (RSG) und der Stadt Mainz: Von der Interessengemeinschaft zum neuen Gesellschaftsvertrag – dieser brachte die beiden Partner eigentumsrechtlich in ein festeres Verhältnis. Es wurde Gesellschaftseigentum geschaffen, an dem die Partner zu gleichen Teilen beteiligt waren. Der Gewinn wurde je nach investiertem Kapital aufgeteilt, bzw. der Partner mit dem geringeren Anlagekapital konnte die Differenz in bar entrichten und so in den Genuss hälftiger Gewinnausschüttung kommen.

1919: Elektromotoren ersetzen die Dampfmaschine

1919 pachtete das Überlandwerk die Gleichstromzentrale von Ph. Lämmermann in Groß-Gerau, ersetzte die Dampfmaschine durch Elektromotoren und betrieb das Netz bis 1928 weiter. Die Kreisstadt Groß-Gerau übernahm 1928 die Stromversorgung in eigener Regie.

Das Überlandwerk übernahm in den folgenden Jahren viele der bis dahin privat betriebenen Stromerzeugungsanlagen, andere wurden stillgelegt, und der Strom direkt vom Überlandwerk bezogen.

1920: Elektrifizierung der Region

Büropersonal des Überlandwerkes Mz-Gr.-Gerau 1920

Die Elektrifizierung der Region, an der das Überlandwerk maßgeblich beteiligt war, hatte großen Einfluss auf die Lebensqualität der Menschen. Nachdem der elektrische Strom zunächst nur für Licht- und Kraftzwecke genutzt wurde, eroberte im Laufe der 1920er Jahre die Elektrowärme den Haushalt. Besonders erfolgreich war ein so genannter „Haubenkocher“, bei dem mehrere Töpfe über einer beheizten Bodenplatte übereinander standen. Darüber wurde eine mit Temperaturschalter versehene Isolierhaube gestülpt. Der Strom schaltete sich automatisch ab, wenn der Dampf aus dem untersten Topf das Thermostat erreichte. Diese energiesparende Automatik wurde später vom Elektroherd ganz abgelöst.

Übrigens – wussten Sie, dass für den Bau der ersten Freileitungen die Fernmeldeleitungen als Vorbild benutzt wurden? So wurde 1891 die Leitung Lauffen–Frankfurt (erste Drehstromübertragung über eine große Entfernung) z. B. von Angehörigen der Telegrafenverwaltung gebaut.

1921: Umwelt- und Denkmalschutz in den 20er Jahren

Das Hessische Kreisamt Groß-Gerau wies 1921 in einem Schreiben darauf hin, dass das Überlandwerk Fernleitungen und Transformatorhäuser nur errichten durfte, wenn „ausreichender Schutz für die Vogelwelt“ geschaffen war. Außerdem war bei Ortsnetzen die Ausführung erst dann zulässig, wenn auch der Denkmalpfl eger „an Ort und Stelle“ seine Zustimmung erteilt hatte.

Übrigens: 1921 kam als letzter nicht versorgter Ort Hassloch ins Netzgebiet des Überlandwerks hinzu.

1928: Stromvertrag zwischen Groß-Gerau und Überlandwerk

Im Jahr 1928 übernahm die Stadt Groß-Gerau das Stromnetz in eigener Regie. Heute ist das Überlandwerk mit 25,1 Prozent am kommunalen Versorgungsbetrieb beteiligt.

1930er Jahre: Messung von Blitzstromstärken

Die Studiengesellschaft für Hochspannungsanlagen in Berlin befasste sich in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts mit der Gewitterforschung. Das Institut erforschte u. a. Gewittereinwirkungen auf Hochspannungsanlagen und Raureifstörungen an Freileitungen. Das Überlandwerk wurde um Mitarbeit bei den Forschungen gebeten, dem der damalige Direktor Fritz Seegmüller gerne zustimmte.

Die Studiengesellschaft lieferte an das Überlandwerk in Glasröhrchen eingeschmolzene Stahlstäbe, die mit Hilfe einer Holzlatte in unterschiedlichen Abständen an den Eckeisen der Gittermasten angebracht wurden. Aus der magnetischen Sättigung der Stahlstäbe ergab sich die Stärke des Blitzstromes, der durch den Eisenmast zur Erde abgeflossen war. 1937 wurde so der bis dahin höchste in Deutschland festgestellte Blitzstrom mit 100.000 Ampere an einem Bahnkreuzungsmast in Goddelau gemessen.

1944: Fliegerangriff auf Groß-Gerau

Verwaltungsgebäude ÜWG Friedrichstraße in den 1950er Jahren

Im April 1913 nahm das Überlandwerk seinen Verwaltungssitz in der Friedrichstraße in Groß-Gerau ein. Das Gelände zwischen Friedrich- und Heimstraße wurde von einem Ludwig Rothenburger, Landwirt und Käsefabrikant aus Worfelden, käuflich erworben. In der Nacht vom 25./26. August 1944 zerstörte ein alliierter Fliegerangriff innerhalb von 55 Minuten große Teile des Groß-Gerauer Stadtgebiets. Auch das Verwaltungsgebäude der ÜWG mit Lagern, Werkstätten, Fuhrpark wurde zerstört. Die Feuerwehren im Kreis waren ausgelastet (auch in Rüsselsheim und Griesheim fielen Bomben), des Weiteren fehlte Wasser zum Löschen. Das Groß-Gerauer Gruppenwasserwerk konnte nämlich wegen Stromausfall kein Wasser liefern.

1945: Wiederherstellung der Stromversorgung

Dipl.-Ing. Fritz Seegmüller, Direktor des Überlandwerks von 1914 bis 1955

Am Morgen des 25. März 1945 erhielt der Direktor des Überlandwerks Fritz Seegmüller vom amerikanischen Kommandanten die Anweisung, bis zum nächsten Abend dieStromversorgung Groß-Geraus wieder herzustellen. Innerhalb dieser Frist waren die Hochspannungsleitungen jedoch nicht instand zu setzen, aber auch Strom von Nachbar-Energieversorgern war auf Grund der andauernden Kampfhandlungen nicht zu beziehen. So wurden die Stromerzeugungsanlagen der Groß-Gerauer Konservenfabrik Helvetia für die Stadt Groß-Gerau, und die der Firma Hessenland in Raunheim für die Stadt Rüsselsheim und Raunheim in Anspruch genommen.

Übrigens – wussten Sie, dass vor dem Ersten Weltkrieg in Deutschland nur 5% aller Haushalte elektrifiziert waren? 1925 waren es 25% und 1927 bereits 50% aller Haushalte.

1948: Währungsreform und Wirtschaftsaufschwung

Mit der Währungsreform 1948 und der Gründung der Bundesrepublik 1949 setzte ein phänomenaler Wirtschaftsaufschwung ein – das deutsche „Wirtschaftswunder“ begann. Auch für das Überlandwerk begann eine neue Zeit. Zwischen April 1949 und März 1950 stieg der Stromabsatz des Unternehmens um 18,6 Prozent und betrug damit 26,9 Millionen Kilowattstunden.

Durch den Zustrom von Flüchtlingen, die Zunahme gewerblicher Kleinbetriebe und den vermehrten Stromverbrauch der Privathaushalte wurden die Ortsnetze des Überlandwerks bis an die Grenze der Leistungsfähigkeit beansprucht. Hohe Investitionen in die Modernisierung und Erweiterung der Anlagen folgten und legten die Grundlage für die Erfolgsstory der ÜWG seit der Nachkriegsperiode.

1949: Kurzschlüsse

Im Oktober 1949 fiel jeden Abend zwischen 17.00 Uhr und 17.40 Uhr auf der Riedstrecke der Strom infolge Kurzschlusses aus. Die Leitungsstrecke wurde mehrmals überprüft, eine Ursache für den Kurzschluss konnte jedoch nicht gefunden werden. Erst als die personell verstärkte Hochspannungskolonne des Überlandwerks ausgeschickt wurde, um zu den Störungszeiten die Leitungen zu beobachten, fand sich die Ursache. Es stellte sich heraus, dass Stare, die zu zehntausenden auf der Leitung saßen, der Grund für die Kurzschlüsse waren. Die Stare kamen aus den Weinbergen Rheinhessens und sammelten sich allabendlich gegen 17.00 Uhr auf der Riedleitung. Flog nun ein Starenschwarm auf, dann schnellte die plötzlich entlastete Leitung hoch und berührte das Leitungsseil, wodurch ein Kurzschluss entstand. Durch eine Erweiterung der Phasenabstände konnte dem Abhilfe geschaffen werden.


Übrigens – wussten Sie, dass seit dem Jahr 1908 aus mnemotechnischen Gründen die Farben der damals gültigen Briefmarken der Deutschen Reichspost – grün, rot, blau, gelb – als Kennfarben für den Sicherungsnennstrom benutzt werden?

1950er Jahre: Ölboom im Hessischen Ried

Im Hessischen Ried, zwischen dem Gemeinden Stockstadt, Crumstadt und Biebesheim wurde einst Erdöl gefördert. Bereits in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts hatte man hier das „schwarze Gold“ entdeckt. 1952 erschloss die Gewerkschaft Elwerath das Erdölfeld. Von 1952 bis zur endgültigen Einstellung der Erdölförderung 1994 wurden im Hessischen Ried mehr als eine Million Tonnen Erdöl ans Tageslicht gebracht.

Die Förderpumpen wurden mit Elektromotoren angetrieben. Da die Förderstellen außerhalb der Ortschaften lagen, musste die ÜWG neue Trafostellen errichten.

Die mehr als 40 Jahre alte Hochspannungsfreileitung Hofgut Schönau-Gernsheim des Überlandwerks musste ebenfalls den neuen Erfordernissen angepasst werden. Die zunehmende Zahl der Bohrtürme (in der Hochzeit gab es 46 Öl- und fast genauso viel Gasbohrstationen), der laufende Zugang von Elektroherden und die Ausweitung der industriellen Betriebe machten eine Verstärkung der bestehenden ÜWG-Hochspannungsanlagen notwendig.

Insgesamt stieg 1952/53 die „nutzbare Stromabgabe“ des Überlandwerks um 14 Prozent, von 45 Mio. auf rund 51,3 Mio. kWh, und lag damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

1954: Die Belegschaft wächst zusammen

Das kaufmännische Personal des Überlandwerks im Jahr 1954

Im Jahr 1954 bestand die Belegschaft des Überlandwerks aus 31 männlichen und 11 weiblichen Angestellten sowie 16 Arbeitern. Das Montagepersonal stellte die Rheinische Elektrizitäts A.G. (Rheinelektra), Technisches Büro Rüsselsheim, dies waren: 1 Hochspannungskolonne mit 24 Monteuren und 3 Ortsnetzkolonnen mit zusammen 42 Monteuren. Dass man zusammengehörte, stellte Dipl. Kaufm. Helmut Müller in einer Rede anlässlich einer Jubiläumsfeier fest: „WIR: … das sind (auch) die Mitarbeiter, die nicht Betriebsangehörige des Überlandwerks sind, sondern der Rheinelektra. Die aber von der Rheinelektra nicht sehr viel mehr kennen als den Betriebsratsvorsitzenden des Büros Rüsselsheim und die von der Rheinelektra bereitgestellten Werkzeuge. …“


Übrigens – wussten Sie, dass man im Jahr 1931 aus 1 Tonne Steinkohle 780 kg Koks, 30 kg Rohteer und 190 kg Rohgas gewinnen konnte? Aus dem Rohgas wiederum wurde 12 kg schwefelsaures Ammoniak gewonnen und es verblieben 88 kg Reingas für Beleuchtungszwecke und zur Wärmeerzeugung.

1956: Eröffnung eines neuen Ausstellungs- u. Beratungsraums

Ing. H. Daum erklärt den Aufbau eines Warmwasserspeichers im Volkshaus Büttelborn

Am 1. Oktober 1956 eröffnete das Überlandwerk Mainz – Betriebs-verwaltung Groß-Gerau seinen neuen Ausstellungs- und Beratungsraum. Bereits im ersten halben Jahr nach der Eröffnung ließen sich 1.554 Personen beraten. Zusätzlich wurden im gesamten Versorgungsgebiet Haushaltsberatungen sowie Koch- und Backkurse abgehalten. Innerhalb eines Jahres fanden 24 Werbevorträge mit insgesamt 461 Besuchern statt. Sogar der Direktor des Überlandwerks Seegmüller ließ es sich nicht nehmen, Werbevorträge zu halten.

Die Zuwachsrate bei den Tarifabnehmern betrug im Geschäftsjahr April 1959 bis März 1960 zwölf Prozent. Insgesamt gab es im Versorgungsgebiet 32.887 Tarifabnehmer. Auch bei den elektrischen Geräten konnte das Überlandwerk für die damalige Zeit große Zuwächse verzeichnen. 881 Elektro-Vollherde, 84 Tischherde, 239 Heißwasserspeicher und 8 Futterdämpfer wurden neu angeschlossen.

1956 kam als letztes das private Netz der Gebrüder Volz in Bauschheim und Ginsheim zum Überlandwerk hinzu.

1958: Errichtung einer neuen Mittelspannungsleitung

Im Jahr 1958 wurde der Bauernhof von Friedrich Diehl als erster aus der Stadt Groß-Gerau ausgesiedelt. Der aus dem 15. Jahrhundert stammende Hof, im Ortskern gelegen, war nicht mehr ausbaufähig und zudem verkehrstechnisch sehr beengt. Das Überlandwerk errichtete eine neue 700 m lange Mittelspannungsleitung mit einem 45 kVA-Masttransformator, um den Hof Diehl und einen weiteren Aussiedlerhof mit Elektrizität zu versorgen.

50er u. 60er Jahre: Tierische Störenfriede und OHG-Gründung

In den 50er und 60er Jahren verursachten, neben Blitzschlägen, Starenschwärme und Raubvögel die häufigsten Störungen auf der „Riedleitung“ mit deren Abzweigen.

1962 wird das Überlandwerk eine OHG.

1967: „Heißes Wasser im Handumdreh’n“

Lange Zeit war es üblich, heißes Wasser zum Spülen, Waschen und für die tägliche Körperpflege umständlich auf einer Herdstelle zu erhitzen. Im Sommer 1967 startete das Überlandwerk zusammen mit der Firma Siemens-Elektrogeräte AG eine Werbekampagne für Heißwasserspeicher, Elektro-Hausgeräte und Heimgefriergeräte. Fachberater der Firma Siemens gingen in den vom Überlandwerk mit Strom belieferten Gemeinden werbend von Haustür zu Haustür. Zwischen Mai und November wurden durch diese Aktion 322 Heißwasserspeicher, 56 Wärmespeicheröfen, 20 Elektroherde, 15 Kühlgeräte, 14 Staubsauger und weitere elektrische Kleingeräte verkauft. Für insgesamt über 235.000 DM.

1972: Das Überlandwerk wird eine GmbH

Umwandlung in die Rechtsform einer GmbH, jetzt heißt es Überlandwerk Groß-Gerau GmbH.

1983: Neues Verwaltungsgebäude

Einweihung des neuen Verwaltungsgebäudes in der Friedrichstraße mit Fahrzeughalle, Lehrküche, Ausstellungsräumen. Seinen Verwaltungssitz hat das Überlandwerk bereits seit 1913 in der Friedrichstraße.

2005: Trennung von Stromnetz und Stromlieferung

Das Überlandwerk gründet die eprimo GmbH: die im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) geforderte Trennung von Stromnetz und Stromlieferung wird umgesetzt.

2007: Neuordnung der Unternehmensgruppe

Die Überlandwerk Groß-Gerau GmbH (ÜWG), die bisher zu je 50 Prozent den Stadtwerken Mainz und der RWE Energy gehörte, wird Anfang 2007 eine hundertprozentige Tochter der Stadtwerke Mainz. Im Gegenzug erhält die RWE Energy alle Anteile an der Vertriebsgesellschaft eprimo GmbH, die bisher eine hundertprozentige Tochter der ÜWG war.

2008: EnRM Energienetze Rhein-Main GmbH wird 100%-Tochter

EnRM Energienetze Rhein-Main GmbH wird 100-prozentige Tochter der Stadtwerke Mainz AG.

2009: Gründung der ÜWG Stromnetze GmbH und der ETech

Gründung der ÜWG Stromnetze GmbH als 100-prozentige Tochter der Überlandwerk Groß-Gerau GmbH.

Gründung der EnergieTechnik Rhein-Main GmbH (ETech) als Tochtergesellschaft des Zweckverbands Riedwerke des Kreises Groß-Gerau und des Überlandwerks Groß-Gerau zu gleichen Anteilen. .

2010: Gründung der ÜWGeo GmbH

Gründung der ÜWGeo GmbH als 100-prozentige Tochter der Überlandwerk Groß-Gerau GmbH.

2017: Umfirmierung Stadtwerke Mainz Netze GmbH in Mainzer Netze GmbH

Im Mai 2017 erfolgte die Umfirmierung der Stadtwerke Mainz Netze GmbH in die Mainzer Netze GmbH. Hintergrund ist die Dachmarkenstrategie der Mainzer Stadtwerke AG, die als kommunale Unternehmensgruppe seit Jahrzehnten für eine verbrauchsnahe und umweltgerechte Energieproduktion, für eine zuverlässige Strom-, Gas-, Trinkwasser-, Nah- und Fernwärmeversorgung und für ein attraktives Bus- und Straßenbahnangebot in Mainz sorgt.